Konzept


Die Ostwache – das Nachbarschaftszentrum in der ehemaligen Feuerwache Ost in Anger-Crottendorf

Die Ostwache in der Gregor-Fuchs-Straße in Anger-Crottendorf hat ihre Zeit als Feuerwache hinter sich gelassen und bietet Raum für Neues. Sie besteht aus einem großen Hof, der von zwei großen Gebäuden und Garagen umringt wird.

Bereits 2015 haben sich – damals auf Initiative des Amts für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung – Vereine und Akteure aus dem Leipziger Osten getroffen, um über eine mögliche Nachnutzung zu sprechen.

Aus den Ergebnissen einer von uns durchgeführten Umfrage der Anwohner_innen formulierten wir 2016 eine Ausschreibung für Interessensbekundungen. Gesucht wurden Gastronomie, Beratungsangebote, Sport, Begegnungsstätten, Kulturschaffende, Familien- und Senior*innenangebote und (offene) Werkstätten. Es haben sich daraufhin 40 Projekte mit kurzen Konzepten vorgestellt; ein wichtiges Kriterium war dabei der Bezug zum Stadtteil und die Öffnung in die Nachbarschaft. Im Herbst 2016 haben wir alle diese Projekte versammelt und gemeinsam geplant, wie die Ideen in die Ostwache passen können.

Unter dem Überbegriff „Nachbarschaftszentrum“ ist eine Sammlung von Ideen und Konzepten entstanden, die Synergien bilden und den Ort mit Leben füllen werden. Zusammen mit der Nachbarschaft und bestehenden Projekten und Vereinen im Stadtteil wurde ein Konzept erarbeitet, welches Arbeiten, Kultur und nachbarschaftlichen Austausch miteinander verbindet.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig – seit März 2017 als OSTWACHE Leipzig e.V., der sich der Umsetzung der Idee eines Nachbarschaftszentrums verschrieben hat. Gemeinsam haben wir 2017 und 2018 zusammen schon mehrere große Feste auf dem Gelände organisiert, die immer viele hundert Besucher*innen jeden Alters hatten. Außerdem gab es diverse Informationsveranstaltungen und Beteiligungsangebote, zuletzt als wir mit der Tischlerei im Oktober 2018 den ersten Raum in der Ostwache in Benutzung nehmen konnten. Auch von stadtpolitischer Seite erfahren wir großen Zuspruch, so zum Beispiel Tim Elschner von der Grünen Fraktion: „Damit steht unseren Erachtens einer dauerhaften Etablierung eines soziokulturellen Nachbarschaftszentrums in der Feuerwache Ost nichts mehr im Wege. Es wäre außerdem schlicht nicht vermittelbar gewesen, wenn mittlerweile gewachsenes Bürgeschaftliches Engagement vor Ort ins Leere laufen würde! Weiter so!“ (Amtsblattbeitrag 28.1.17) Bei der Stadtratssitzung im Dezember 2016 äußerte sich auch der Oberbürgermeister positiv gegenüber unseren Plänen.

Vereinsgründung März 2017

Zielgruppen und Konzept

Die Ostwache zeichnet sich dadurch aus, dass sie die gesamte Nachbarschaft ansprechen möchte. Das Angebot soll sich also nicht nur an Senior*innen oder nur an Kinder richten, sondern eine möglichst breite Bevölkerung erreichen. Die Ostwache ist kein Ort, an dem nur konsumiert wird, sondern einer, in den sich Menschen als einzelne und in Gruppen einbringen können – sei es bei der Pflege der Hochbeete im Garten auf dem Ostwache-Gelände, Organisation von Flohmärkten, Anbieten von Workshops und inhaltliches Weiterarbeiten im Projekt. Willkommen sind auch handwerkliche und künstlerische Nutzer*innen, die sich in den Räumen der Ostwache ihren Arbeitsplatz schaffen. Dadurch entstehen spannende Synergien zwischen Kreativen und Kreativen, aber auch zwischen Kreativen und der Nachbarschaft. Grundidee ist, Nachbarschaft zu gestalten, Angebote gegen Vereinzelung und Vereinsamung in der Gesellschaft zu schaffen und das Viertel für und mit der Nachbarschaft angenehmer und lebenswerter zu machen. Insgesamt soll in dem Stadtteil ein zentraler Begegnungsort und Ort der Teilhabe geschaffen und so die Gemeinschaft gestärkt werden.

Comic (C) Dominik Wendland

Allen Nutzer*innen wird gemein sein, dass sie sich in dem Projekt und in der Nachbarschaft einbringen. Das kann über öffentliche Workshops in ihren Werkstätten sein oder über die Organisation einer Kuchentheke beim nächsten Fest. Bereits jetzt liegen uns von dutzenden potenziellen Nutzer*innen, die mit ihren kleinen Unternehmen oder Vereinen Büros, Werkstätten, Ateliers und andere Räume nutzen wollen, Interessensbekundungen vor.

Finanzierungskonzept

Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für die genannten Ideen beinhaltet zum einen ein gestaffeltes Mietkonzept, zum anderen ein breites und kostengünstiges Angebotskonzept. Gewerbliche Betriebe, Büros und Veranstaltungen machen dadurch, dass sie eine etwas höhere Miete bezahlen, möglich, dass auch ehrenamtlich getragene Vereine mit geringem Budget Räume in der Ostwache mieten können. Dank der Querfinanzierung wird eine Vielfalt von Nutzungen gewährleistet.

Städtische Kernziele

Mit der Umsetzung eines Nachbarschaftszentrums in der alten Feuerwache setzen wir städtische Kernziele um, die hier kurz dargelegt werden. Richtungsgebende konzeptionelle Dokumente für die Entwicklung des Leipziger Ostens sind:

– das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Leipziger Osten (STEK LeO, 2013)

– das Gebietsbezogene Integrierte Handlungskonzept EFRE Nachhaltige Stadtentwicklung Leipziger Osten (EFRE LeO, 2015)

– der Masterplan Parkbogen Ost (2017)

– das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2014-20 (SEKo) sowie

– das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2030 (INSEK, 2018).

Alle aufgeführten Dokumente sehen einen besonders hohen Entwicklungsbedarf für Anger-Crottendorf sowie den Leipziger Osten insgesamt in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Vernetzung der Akteure. Sehr prägnant ist die Ausgangssituation in der Anlage zum STEK LeO beschrieben:

„Ein Mangel an geeigneten Treffpunkten ist insbesondere im Ortsteil Anger-Crottendorf festzustellen. Es fehlen im gesamten Gebiet insbesondere auch größere Räume zur privaten Nutzung etwa für Familienfeiern. Gerade für einkommensschwache Haushalte sind solche Möglichkeiten wichtig. […] Das Fehlen einer Kneipen- und Cafészene im Leipziger Osten […] wird von vielen jüngeren Erwachsenen als Defizit wahrgenommen.“ (S. 57)

„Seit der Schließung der Begegnungsstätte Schirmerstraße gibt es keine separate Senioren-Begegnungsstätte im Leipziger Osten. Die notwendige Entwicklung intergenerativer Angebote ist gegenwärtig nur punktuell zu beobachten. Spezielle Angebote für diese Zielgruppe werden durch die Vereine Mühlstraße 14 e. V. und Bürgerverein Volkmarsdorf e. V. organisiert und durchgeführt. Doch wird das bestehende Angebot vor dem Hintergrund der prognostizierten demographischen Veränderungen nicht ausreichen.“ (S. 84)

„Seit dem Jahr 2000 wird regelmäßig … das Fehlen eines kulturellen/ sozialen Stadtteilzentrums mit einem größeren Veranstaltungssaal (soziokulturelles Zentrum, Haus der Begegnung, Bürgerhaus, Lokales Zentrum etc.) als multifunktionaler Ort für selbstorganisierte Angebote, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen und Kurse, Begegnung, Beratung usw. bemängelt.“ (S. 85)

Geschichte

 

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