Konzept


Nachbarschaft, Gewerbe, Vereine  

Die alte Feuerwache in Anger-Crottendorf wird langsam leer gezogen – übrig bleibt ein großer Hof, umringt von zwei großen Gebäuden und Garagen. Der Ostwache Leipzig e.V. entwickelt ein Konzept zur Nachnutzung der Gebäude. Unter dem Überbegriff „Nachbarschaftszentrum“ ist eine Sammlung von Ideen und Konzepten entstanden, die Synergien bilden und den Ort mit Leben füllen werden. Zusammen mit der Nachbarschaft und bestehenden Projekten und Vereinen im Stadtteil wurde ein Konzept erarbeitet, welches Arbeiten, Kultur und nachbarschaftlichen Austausch miteinander verbindet.

Von etwa 40 potenziellen Nutzer_innen, die mit ihren kleinen Unternehmen oder Vereinen Büros, Werkstätten, Ateliers und andere Räume bespielen wollen, sind bereits Interessensbekundungen eingegangen und in einer großen Konzeptwerkstatt und vielen kleineren Treffen besprochen worden. Zentraler Gedanke ist der Austausch sowohl zwischen den Arbeitsstätten und Vereinen, als auch mit der Nachbarschaft. So kann etwa die Holzwerkstatt an einem Wochenende im Monat von der Nachbarschaft genutzt werden um neue Regale zu bauen und im Café im Erdgeschoss finden auch mal Theateraufführungen statt.

Was bisher geschah…

2015 gab es erste Ideen zur Nachnutzung der alten Feuerwache. In einer ersten Konzeptwerkstatt im Dezember 2015 wurden mit Vereinen und Akteuren aus dem Viertel erste Ansätze entwickelt -> Die IG Ostwache entsteht

Von Anfang an war der nachbarschaftliche Bezug zentraler Bestandteil der Konzeptidee. Mit verschiedenen Informationsveranstaltungen in Anger-Crottendorf wurde auf die Nachnutzung der Alten Feuerwache aufmerksam gemacht und in Umfragen im Viertel der Bedarf ermittelt.

Die Umfragen im Viertel waren Grundstein für die Suche nach potenziellen Nutzer_innen, welche aufgefordert wurden, kleine Konzepte für ihre Vorhaben einzureichen. Etwa 40 Interessensbekundungen wurden eingereicht und in einer 2. Konzeptwerkstatt besprochen.

Das Grundkonzept steht, es gibt mögliche Nutzer_innen, Rückhalt aus der Nachbarschaft und Pläne für Rechtsform und Finanzierung. Um das Konzept zu verwirklichen brauchten wir nun eine kooperative Stadtverwaltung, einen Erbbaurechtsvertrag und vor allem einen positiven Stadtratsbeschluss. Der positive Stadtratsbeschluss im Januar 2017 für die Zwischennutzung hat uns in unserer Arbeit für den Leipziger sten bestätigt.

Dies wollen wir am 13. Mai 2017 mit Euch bei unserem Frühlingsfest feiern! Kommt schauen, macht mit, lernt kennen! Jeder und jede, Große und Kleine, Alteingesessene und fernere Freunde sind herzlich willkommen!

Im Hof und vor dem Haus: Moorgummidruck, Schnitzen, Theater, Musik, Siebdruck, Malaktion, Basteln, Spiele, Infostände, Pizza, Kuchen, kalte und warme Getränke sowie vieles mehr!

https://www.facebook.com/events/1881398052136266/

Der Verein „Ostwache Leipzig“

Seit 2015 haben wir uns regelmäßig als IG Ostwache getroffen und engagieren uns für die Umnutzung der Ostwache als Kulturzentrum in Anger-Crottendorf. Am 29. März 2017 haben wir den Ostwache Leipzig e.V. gegründet.

Über Zwischennutzungen wie dem Frühlingsfest möchten wir dem Ziel näherkommen, die Ostwache als Kiezort dauerhauft zu etablieren.

Werdet Teil der Ostwache!

Du hast Lust uns einen Teil Deiner Zeit zu schenken? Ob für die Konzeption und Durchführung von Veranstaltungen und/und als Vereinsmitglied? Temporär oder langfristig? Jeder ist herzlich willkommen!

Du erreichst uns per E-Mail ostwache(ät)posteo.de oder Facebook: https://www.facebook.com/ostwache/

Oder komm einfach zu unserem nächsten Vereinstreffen: http://ostwache.org/ueber-uns/ Wir freuen uns auf Dich!

Ab Q3 2018 soll die Ostwache leergezogen sein. Bis dahin werden wir neben der Zwischennutzung alle Vorbereitungen treffen, um die Ostwache anschließend von der Stadt mittels Erbbaurechtsvertrag zu übernehmen. Dafür wollen wir 2018 eine Genossenschaft gründen.

 

Warum Genossenschaft

Die Genossenschaft (eG) ist eine Rechtsform, die wirtschaftliches Handeln mit demokratischen Grundsätzen vereint. Im Mittelpunkt der Genossenschaft steht der Selbsthilfegedanke – ihr Zweck ist es, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belange ihrer Mitglieder und der Nachbarschaft zu fördern.

Die Genossenschaft erlaubt einen unkomplizierten Ein-und Austritt von Mitgliedern, ähnlich wie bei einem Verein. Wer Mitglied wird, zahlt einen Genossenschaftsanteil, wer austritt, erhält ihn (nach einer Frist) zurück. Die Einlagen sind Ausdruck der Unterstützung des Projekts. Sie bilden das Eigenkapital der Genossenschaft, das zugleich eine Sicherheit bietet etwa für Bankdarlehen. Eine Begrenzung der Mitgliederhaftung auf die Höhe der Anteile der Genossenschaftsmitglieder wird angestrebt, die Mitglieder haften dann nur mit ihrem gezeichneten Anteil. Dauernutzer_innen der Ostwache erwerben mehrere Anteile, die sich anhand der von ihnen genutzten Fläche berechnen.

Damit eignet sich die Rechtsform der Genossenschaft besonders dafür, sowohl Unterstützer_innen aus Nachbarschaft und Stadtgesellschaft als auch Mieter_innen gleichermaßen einzubinden.

Das höchste Organ ist die Generalversammlung (die Versammlung aller Mitglieder). Die Grundausrichtung der Ostwache und damit die Grundlagen des wirtschaftlichen Handelns werden von ihr bestimmt. Jedes Mitglied hat dabei eine Stimme unabhängig vom eingebrachten Geld. Damit eignet sich die Rechtsform besonders für die angestrebte Mischung von gewerblichen und nichtkommerziellen Nutzungen.

Der Vorstand übernimmt die Aufgaben der Geschäftsführung und wird hierbei kontrolliert vom Aufsichtsrat, der ehrenamtlich mit Nutzer_innen und Vertreter_innen der Nachbarschaft besetzt ist. Gemeinsam entscheiden sie über Neuvermietungen, um so eine positive Stadtteilwirkung zu garantieren.

Die Genossenschaft ist Mitglied eines Prüfungsverbandes, der sie regelmäßig berät, betreut und prüft. Die Genossenschaft gehört zu den insolvenzsichersten Rechtsformen und ist darum besonders geeignet für ein solches Unternehmen.

Alternativen: 

GmbH mit Verein aller Nutzer_innen als Gesellschafter.

Beispiel: ExRotaprint Berlin. www.exrotaprint.de

Erläuterung 

Erbbaurecht 

Der Ostwache Leipzig e.V. (i.G.) strebt einen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Leipzig an und zahlt dafür einen Erbbauzins in Höhe von 3-4% des Gebäudewertes. Die Planbarkeit ermöglicht eine schrittweise Entwicklung der Ostwache und sichert zugleich der Stadt Leipzig dauerhafte Einnahmen, die langfristig den Verkaufserlös deutlich übertreffen.

Alternativ dazu sind auch andere Gestaltungen denkbar; etwa eine Orientierung des Erbbauzinses an der Höhe der Nettokaltmieten (vgl. ExRotaprint Berlin: 10 % der Nettokaltmieten*1) oder auch die Reduktion des Erbbauzinses im Gegenzug gegen die Übernahme von Gemeinwesenarbeit (vgl. Samtweberei Krefeld: Erlass Erbbauzins gegen Verwendung der dadurch erwirtschafteten Gewinne für Zwecke der Gemeinwesenarbeit, Entscheidung darüber fällt ein Viertelsrat*2)

Miete 

Die Mieten sollen einerseits die Instandsetzung und Verwaltung des Gebäudes wirtschaftlich sichern, andererseits eine interne Staffelung nach Art der Nutzung ermöglichen. Hierzu erarbeitet die Generalversammlung eine Richtlinie. Insgesamt tragen die Mieten (Mietausfallswagnis eingerechnet) die Betriebs- und Verwaltungskosten, Instandhaltungsrücklage einerseits; Zins und Tilgung für Fremdkapital und Erbbauzins andererseits.

Eigenkapital 

Die Einlagen bilden das Eigenkapital der zu gründenden Genossenschaft. Hier sollen sowohl Unterstützer_innen aus Nachbarschaft und Stadtgesellschaft als auch Nutzer_innen angesprochen werden Mieter_innen der Ostwache erwerben mehrere Anteile, die sich anhand der von ihnen genutzten Fläche berechnen. Ergänzt werden die Einlagen durch mezzanine Finanzierungen („Direktdarlehen“).

Eigenleistung 

Mit der angestrebten niedrigschwelligen Sanierung auf einfachstem Standard durch die zu gründende Genossenschaft werden Eigenleistungen der Nutzer_innen ermöglicht. Gewerbliche Nutzungen mit höheren Ansprüchen können investieren, während finanzschwächere Nutzungen auf bauliche Selbsthilfe zurückgreifen. Die Verteilung der Verantwortung ermöglicht die bessere Einbindung von crowd-funding-Instrumenten für konkrete Nutzungen. Alle sicherheitsrelevanten Bereiche verbleiben in der Hand der Genossenschaft.

Fördermittel 

Insbesondere in der Phase 3 (energetische Sanierung, Barrierefreiheit) soll auf bauliche Fördermittel zurückgegriffen werden.

Fremdkapital 

Bei der Sanierung in Phase 2 soll ein Bankkredit in Anspruch genommen werden. Hier wird für die sehr einfach angesetzte niedrigschwellige Sanierung von Baukosten von momentan 600 €/m2 ausgegangen. Geplant ist auch die Zusammenarbeit mit Stiftungen („mission investment“).

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*1. http://neue-nachbarschaft.de/immovielien/exrotaprint-berlin/

*2. http://neue-nachbarschaft..de/immovielien/nachbarschaft-samtweberei-krefeld/

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KONZEPT Download (PDF 600KB): Ostwache-2016.12-Konzept 

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Comic (C) Dominik Wendland

 

Auswertung Befragung in den Stadtteilen Reudnitz und Anger-Crottendorf (2016)

Die Befragung der Bürger und Bürgerinnen in den Stadtteilen Reudnitz und Anger-Crottendorf wurde durch Menschen aus den Stadtteil Initiativen Zweieck, Dresdner59, dem Quatiersmanagment Ost, sowie an der Thematik interessierten, freiwilligen Menschen, durchgeführt. Der Fragebogen ist im Rahmen der Initiative nach einer neuen Nutzung der alten Feuerwehrwache in der Gregor-Fuchs-Straße entstanden. Die Befragungen wurden im März 2016 durchgeführt. Unteranderem vor Einkaufsläden, an anderen Orten des öffentlichen Raumes, sowie in Stadtteilinitiativen und dem Internet.

Auswertung:

Alter

Männlich: 31 Personen / Weiblich: 53 Personen (Das Durchschnittsalter der befragten Personen: 39 Jahre)

Kinder in Haushalten

Kinder insgesamt 37 + 3 Haushalte mit Kindern aber unbekannter Anzahl und Alter.

Haushalte mit Kindern: 24 befrage Personen haben Kinder in ihrem Haushalt.

(Das Durchschnittsalter der Kinder: 6 Jahre)

Bedürfnisse

Die in Klammerstehende Zahl ist die Häufigkeit des von Personen genannten Bedürfnis..

  • Café (26)
  • Veranstaltungsort/Kulturveranstaltungen (23)
  • Raum für Kinder und Jugendliche/Jugendclub (23)
  • Indoor-Spielplatz/Begegnungsort für Eltern (18)
  • Kneipe/Biergarten/Gaststätte – bezahlbare Preise (17)
  • Sportangebote (14)
  • Sozialer Wohnungsbau (9)
  • Wochenmarkt/Obst aus der Region (8)
  • Einkaufsmöglichkeit (8)
  • Restaurant (6)
  • Raum für Ausstellung (5)
  • Ateliers (5)
  • Flüchtlingsunterkunft (4)
  • Kino (3)
  • Fahrradwerkstatt (3)
  • Vernetzungsmöglichkeit/Verknüpfungsstelle für soziale Betreuung im Alltag Generationsaustausch (3)
  • Umsonstladen (2)
  • Bioladen (2)
  • Nachhaltige Projekte (2)
  • Begegnungsstätte für Geflüchtete (2)

Alle Bedürfnisse die nur einmal genannt wurden sind hier nicht aufgeführt.

Fazit

Grundlage sind 84 ausgefüllte Fragebögen. Diese Zahl ist sehr gering und es wird darauf hingearbeitet werden, noch mehr Menschen an der Ausgestaltung des Gebäudekomplexes und dessen Hof zu beteiligen. Dies scheint relevant, da der Stadtteil eine wesentlich größere Anwohnerzahl hat, deren Meinung den grundlegendsten Baustein des Ostwachen-Projekts darstellen muss. Nur wenn eine Orientierung stattfindet auf das, was die Mehrzahl der Menschen als lebensbereichernd und als notwendige Neuerung im Stadtteil artikuliert, kann von einem Erfolg des Projekts im Sinne einer Abkehr von einer bevormundenden Wohnungspolitik gesprochen werden. Es ist also unumgänglich die Ausgestaltung der Feuerwehrwache daran zu orientieren welche Bedürfnisse bei der Bevölkerung in diesem Viertel in vorherrschen. (Lars Kaiser, Zwei|Eck, September 2016)